Weinbau zwischen Leidenschaft und Leistungsdruck - zu Gast im Weingut Alexander Laible
mittig v.l.n.r. Johannes Baier, Ann-Kathrin Stulz, Georg Heitlinger MdL, Alexander Laible
Durbach, 7. November - Weinbau ist Leidenschaft, erfordert aber zunehmend auch den Umgang mit enormem Leistungsdruck und schwierigen politischen Rahmenbedingungen. Dies wurde beim Vor-Ort-Termin der FDP Ortenau im renommierten Weingut Alexander Laible in Durbach deutlich. Im offenen Austausch diskutierten der FDP-Landtagsabgeordnete und Landwirt Georg Heitlinger, der FDP-Kreisvorsitzende Johannes Baier sowie die örtliche Landtagskandidatin Ann-Kathrin Stulz über die Zukunft der Branche. Begleitet wurde der Termin von zahlreichen politisch interessierten Mitgliedern der Jungen Liberalen. Gastgeber Alexander Laible gewährte Einblicke in sein Familienunternehmen, das auf 13 Generationen Weinbautradition zurückblickt und sich erfolgreich im Spitzensegment etabliert hat.
Er zeichnete jedoch auch ein realistisches Bild der aktuellen Lage. Er habe immer selbstständig sein und für Qualität stehen wollen. Man jammere nicht, aber die substantiellen Herausforderungen der Branche müssten gesehen und gelöst werden. Besonders am Herzen liegt dem Durbacher Winzer der Absatz im eigenen Land.
Er wünscht sich ein Umdenken bei den Konsumenten und forderte mehr Lokal-Patriotismus. Während beispielsweise Franzosen, Italiener und Portugiesen fast ausschließlich eigene Weine trinken würden, griffen mehr als die Hälfte der Deutschen zu ausländischen Weinen. Dabei biete die Region exzellente Produkte direkt vor der Haustür. Wer regional kaufe, schaffe Arbeitsplätze, stärke die Genuss- und Tourismusregion und helfe dabei, die Kulturlandschaft zu pflegen.
In der Diskussion, die den Bogen von steuerlichen Fragen über Pflanzenschutz bis hin zur Bürokratie spannte, standen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Fokus. Gerade in der Ortenau, die stark von arbeitsintensiven Sonderkulturen wie Wein und Obst geprägt ist, spitzen sich die Probleme zu. Georg Heitlinger, der selbst rund 100 Hektar bewirtschaftet, übte Kritik an der Ausgestaltung des Mindestlohns.
Unter den jetzigen Rahmenbedingungen sei in Regionen mit arbeitsintensiven Kulturen nicht mehr vernünftig zu wirtschaften. Die gestiegenen Kosten könnten im internationalen Wettbewerb und angesichts der Marktmacht des Einzelhandels nicht einfach weitergegeben werden. Es sei politisch einfach, einen ausnahmslosen und höheren Mindestlohn zu fordern, das koste den Staat nichts. Dass darunter aber Betriebe in die Unwirtschaftlichkeit gedrückt werden und ganze Branchen um ihre Existenz kämpfen, werde verschwiegen oder hingenommen.
Johannes Baier betonte die unverzichtbare Rolle der heimischen Betriebe für die Region. Wer die Kulturlandschaft erhalten wolle, müsse den Betrieben Luft zum Atmen lassen, durch weniger Bürokratie, Regeln mit Augenmaß und mehr Planbarkeit. Auch für die junge Generation ist eine florierende Landwirtschaft von zentraler Bedeutung, wie Ann-Kathrin Stulz hervorhob. Viele junge Menschen schätzten Qualität und Regionalität. Das Ziel sei, dass der Wein- und Obstbau in der Ortenau mit fairen Bedingungen für die Betriebe und attraktiven Arbeitsplätzen auch künftig eine echte Perspektive habe.
Trotz des aktuellen Gegenwinds im Weinmarkt und spürbaren Konsumrückgängen zog Alexander Laible am Ende ein positives Fazit. Man setze weiterhin auf Spitzenqualität und die Nähe zu den Kunden. Die Politik müsse nun die Stellschrauben richtig setzen, den Rest liefere man mit Leistung, Innovation und Leidenschaft.